Das Hanauerlehen: Über 630 Jahre bewegte Geschichte!

Das Hanauerlehen, das bereits im Jahr 1386 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist ein Ort mit langer Geschichte. Über viele Jahrhunderte war es ein Bauernhof, zu dem eine Hochalm am „Hanauerlabl“ im Hagengebirge gehörte. Die touristische Nutzung des Hauses begann bereits im frühen 20. Jahrhundert, als die damalige Bauernfamilie einzelne Räumlichkeiten an erholungssuchende „Sommerfrischler“ vermietete. In den Nachkriegsjahren entstand im Hanauerlehen parallel zur Landwirtschaft eine „Brathendlstation“.

Mitte der 1970er Jahre erwarben meine Großeltern das Hanauerlehen und bewirtschafteten es als eine Pension mit Café. Nach rund zehn Jahren übernahmen meine Eltern den Betrieb. Sie entwickelten das Hanauerlehen zu einem Drei-Sterne-Hotel weiter und führten es erfolgreich über 30 Jahre. Vor diesem Hintergrund haben wir uns im Jahr 2018 entschieden, unseren einheimischen Familienbetrieb samt seiner traditionsreichen Geschichte in dritter Generation weiterzuführen. So haben wir gleich im selben Jahr mit umfassenden Modernisierungen begonnen und die Anlage beispielsweise um einen neuen Frühstücksraum erweitert.

Unsere Wurzeln vergessen wir dabei nie: Mit dem neuen öffentlichen Alpencafé greifen wir auf die Idee der Großeltern zurück, das Hanauerlehen mit seiner günstigen Lage auch als Café zu nutzen. Unsere neue Rezeption befindet sich in der alten Bauernstube des ursprünglichen Bauernhofs. Die über 250 Jahre alte Holzdecke in diesem Raum und die noch originalen Grundmauern könnten bestimmt viele bewegende Geschichten aus der „guten alten Zeit“ erzählen. Nur eine Konstante hat all die Jahrhunderte überdauert: Der herrliche Ausblick auf die Berchtesgadener Berge zwischen Kehlstein und kleinem Watzmann.

Was hat das Hanauerlehen eigentlich mit der Stadt Hanau zu tun? Bestimmt haben Sie sich diese Frage schon gestellt. Die Antwort ist einfach: Nichts. Denn namensgebend sind die „hohen Auen“ – die saftigen Wiesen rund um unser Haus. Eine kurze Zeitreise verdeutlicht die Entwicklung des Namens „Hanauerlehen“. Grundsätzlich finden Sie im Berchtesgadener Talkessel viele Anwesen, die den Zusatz „Lehen“ im Namen tragen. Denn auch in unserer Region war das Lehenswesen das Rückgrat der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung. Im Kern erlaubte der Lehensherr einem Untergebenen, ein Stück Land von ihm zu bewirtschaften. Im Gegenzug übernahm der Lehensnehmer die Bürde, einen Teil seiner kargen Erträge an seinen Lehensherrn abzutreten.

Seit dem 14. Jahrhundert regelte ein Erbrechtsbrief auch im „Lehen Hohenau“ in Schönau die Besitzverhältnisse. Der damalige Lehensnehmer verpflichtete sich, einen Anteil von seinen landwirtschaftlichen Erträgen an den Fürstprobst von Berchtesgaden abzugeben. Dafür durfte er „mit all seinen Söhnen, Töchtern, Hausfrauen und Erben“ das Lehen bewirtschaften. Diese Übereinkunft aus dem Jahr 1386 vererbte sich von Generation zu Generation weiter. Es ist der Berchtesgadener Mundart und der „gschlamperten” (schlampigen) Aussprache der Einheimischen zuzuschreiben, dass über die Jahrhunderte aus „Hohenau“ im täglichen Sprachgebrauch „Hanau“ – und damit das „Hanauerlehen“ – wurde.